Ein Projekt der Synagogen-Gemeinde Köln und der Landesverbände
der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein und Westfalen-Lippe
durchgeführt vom NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln
Lebensgeschichten jüdischer Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion
in Nordrhein-Westfalen

Истории жизни еврейских иммигрантов, приехавших из бывшего Советского Союза и поселившихся
в федеральной земле Северный Рейн-Вестфалия
  1. In der ganzen Zeit seit ich hier bin, bin ich dreimal dorthin (in die Ukraine) gefahren, um die Gräber aufzusuchen. Wir haben dort keine Verwandten mehr, nur die Gräber. Aber ich habe dort meine Freunde, ich rufe sie an und halte den Kontakt zu ihnen aufrecht. Mein bester Freund ist Ukrainer, wir sind bereits seit 1954 befreundet. Rechnen Sie, wie viele Jahre das sind.
  2. Als ich hierher abreiste, weinte er, ehrlich gesagt. Und ich habe noch einen Freund dort. Ein (früherer) Untergebener von mir… Leider sind die Menschen nicht gleich. Oder zum Glück ist es so. Es gibt solche, denen du viel Gutes tust, und sie vergessen dich, wenn du nicht mehr da bist.
  3. Und solche wie diesen – ich tat ihm viel Gutes und er vergisst das nicht. Daher rufe ich ihn manchmal an und frage, wie es ihm geht und gratuliere zu den Festtagen. Sie kennen meine Telefonnummer nicht, nicht weil ich sie geheim halten möchte, aber weil ich finde, dass es für sie zu teuer ist. Für mich ist es leichter, sie dort anzurufen als für sie mich hier.
  4. Leider verlieren unsere Kinder die russische Sprache. Ich sage leider, denn eine Sprache zu kennen ist immer gut. Vor allem die jüngste (Enkelin), die mit vier Monaten hierher kam… Sie kann Russisch und versteht mich, wenn ich etwas sage. Sie übersetzt die Sprachen aber wortwörtlich, was – mit Verlaub – manchmal komisch klingt. Am besten (Russisch) spricht der mittlere Enkel und der ältere Enkel tut es auch. Zur Religion hat aber keiner von ihnen einen Bezug – weder die Kinder noch die Enkel. Sie sind weit davon entfernt. Leider.